Steirisches Trachten-ABC

Die steirische Tracht ist durch bestimmte Merkmale im Schnitt, der Material- und Farbzusammenstellung sowie der Auszier definiert. In den einzelnen Trachtenbeschreibungen finden sich überlieferte sowie schneidertechnische Fachausdrücke, die in unserem Trachten-ABC erklärt werden.  

 

Für die steirische Frauen- und Männertrachten wurden in unseren Publikationen (Frauentrachtenbuch | Männertrachtenbuch) Leitfäden erarbeitet, die Basisinformationen zu Schnittformen, Farbvarianten und weiteren Charakteristika der steirischen Tracht informieren. Wir stellen sie hier zum Download bereit:

 

Alltagstracht

Alltagsdirndl

Bei den steirischen Frauentrachten wird zwischen Alltags-, Sonntags- und Festtracht unterschieden. Ebenso geläufig sind die Bezeichnungen Alltags-, Sonntags- und Festtagsdirndl. Die Alltagstracht ist sozusagen die einfachste Ausführung des Dirndls. Für seine Fertigung werden Baumwolle und Leinen verwendet – Materialien, die leicht zu reini­gen sind. Da dieses Dirndl für den täglichen Gebrauch ge­eignet sein sollte, wird hier die Auszier sparsam gehalten.

Alltagstracht
(c) The Schubidu Quartet

Auszier

Jede Veredelung bzw. Ausschmückung einer Tracht wird als Auszier bezeichnet. Seien es Rüschen, Stickereien oder Steppereien, Passepoilierungen, Ärmelaufschläge oder Applikationen. Sowohl bei Frauen- als auch bei Herrentrachten kommt dieser Ausdruck zum Einsatz. Jede Regionstracht ist durch bestimmte Merkmale im Schnitt, der Material- und Farbzusammenstellung sowie der Auszier definiert. Somit unterstreicht die jeweilige Auszier die regionale Besonderheit einer Tracht.

Besatztuch

Zur Auszier einer Männertracht wird gerne eine ergänzende Farbe zur Grundfarbe des Jankers bzw. Anzuges verwendet, wodurch beispielsweise die charakteristische Grau-Grün-Kombination der steirischen Tracht entsteht. Dieses Besatztuch, das zumeist aus dem gleichen Material wie der Stoff des Jankers besteht (allerdings in einer anderen Farbe), kann für Kragen, Revers, Passepoilierung, Lampas, Schulterwulst, Ärmelaufschlag oder Ähnliches verwendet werden. In der Steiermark wird für das Besatztuch hauptsächlich die Farbe Grün verwendet, aber auch Braun, Schwarz oder Rot sind möglich.

Grünes Besatztuch
(c) Jesse Streibl

Brautdirndl

Brauttracht

In der steirischen Tracht kommen vor allem Festtrachten als Brautdirndl zum Einsatz. Festtrachten werden zur Gänze aus Seide gefertigt und sind durch ihre aufwendigen Stickerei bzw. Rüschen sehr edel und exklusiv. Für Brautdirndl kommen vor allem helle Farbtöne zum Einsatz – als Schnittmuster stehen alle steirischen Festtrachten zur Auswahl. Als Schürzen sind transparente (mitunter bestickte) Mousseline- oder Tüllschürzen sehr beliebt.

Brautdirndl
(c) The Schubidu Quartet

Brusteinsatz

Bei dieser Form des Dirndlleibs wird am Vorderteil – mit gerundetem Ausschnitt oder hochgeschlossen – entlang des Brustbereichs ein gezogener oder in Falten gelegter Bruststreifen eingearbeitet, der an die darunterliegende Passe gesteppt wird. Die Passe und der gezogene Brustteil ersetzen die Abnäher im Vorderteil. Als Abschluss des gezogenen Brustteils werden je nach Modell Auszierformen wie Froschgoscherl, ein Faltenabschluss, eine nach oben hin begrenzende Querleiste oder eine Sattelnaht gearbeitet (z. B. Liebochtaler Alltagstracht oder Gleinalm Alltagstracht). Zudem kann der gezogene Brusteinsatz beidseitig durch Teilungsnähte begrenzt werden (z. B. Ilzer Alltagstracht – siehe Foto). Der Rückenteil entspricht der Grundschnittform, wobei modellabhängig auch auf Rundnähte am Rücken verzichtet werden kann.

Brusteinsatz
(c) The Schubidu Quartet

Brustfleckleib

Der Brustfleckleib findet ausschließlich bei manchen Modellen des Alltagdirndls Anwendung. Als Brustfleck wird grundsätzlich eine Umwicklung der Brust sowohl des Mannes als auch der Frau verstanden: Ein Stoffstreifen – der sogenannte Fleck – wird über die Brust gebreitet und mit Bändern über die Schulter am Rücken verschnürt. Dieser wird/wurde auch als Brustlatz, Brusteinsatz oder Brusttuch bezeichnet. Der Begriff leitet sich vom mhdt. borstdók, borstlappe, vörlege ab. Der Brustfleckleib zeichnet sich im Wesentlichen durch Träger, die vom Vorderteil in gerade verlaufender und/oder gekreuzter Form zum Rückenteil führen, aus. Auf diese Weise wird der gezogene und waagrecht verlaufende Brustteil mit dem ebenfalls waagrecht abgeschlossenen Rückenteil verbundenen. Beim klassischen Brustfleckleib dienen in der Rückenmitte Knöpfe als Verschluss. Abgewandelte Formen lassen auch Verschlussvarianten am Vorderteil mit Knöpfen und/oder Hafteln erkennen. Am Foto: Hartberger Alltagstracht

Brustfleckleib
(c) Lupi Spuma

Festtracht

Festtagsdirndl

Bei den steirischen Frauentrachten wird zwischen Alltags-, Sonntags- und Festtracht unterschieden. Ebenso geläufig sind die Bezeichnungen Alltags-, Sonntags- und Festtagsdirndl. Die Festtracht wird zur Gänze aus Seide gefertigt und gestaltet sich nähtechnisch sehr aufwendig und arbeitsintensiv. Das edle Material sowie die besondere Auszier verleihen der Festtracht ihre Exklusivität. Jedes Festtags­dirndl kann in hellen Farben auch als Brauttracht ge­fertigt werden.

Festtracht
(c) The Schubidu Quartet

Kittelblech

Beim so genannten Kittelblech handelt es sich um einen ca. 3 mm schmalen, farblich vom Kittel abweichenden, sichtbaren Abschluss am Saum des Kittels (z. B. Murbodner Alltagstracht). Darüber hinaus können alle Alltagstrachten individuell mit oder ohne Kittelblech gefertigt werden. Als Kittelvorstoß hingegen wird ein ca. ¾ cm bis 1 ½ cm breiter Saumabschluss am Kittel  bezeichnet.

Kittelblech
(c) Gemini Labs

Rüsche

Handgefertigte Rüschen geben eine Tracht ihre ganze besondere Note. Aus einem schmalen Seidenstreifen, aber auch aus anderen Materialien entstehen wunderschöne erhabene, formenreiche, mit oder ohne Perlen besetzte Rüschen. Ihre Namen wie (Steh)Falten-, Rosetten-, Ähren-, gezogene Rüschen, Blümchen-, Herzerl-, Rosenblätterrüsche oder Froschgoscherl nehmen Bezug auf ihr Aussehen. Rüschen bilden eine ganz besondere Auszier vieler steirischen Sonntagstrachten und Festtrachten.

HandgefertigteRueschen
(c) Ulrike Rauch

Schneiderfliege

Wenn der Rücken eines Herrenjankers mit einer Kellerfalte (Quetschfalte) gefertigt wird, wie das beispielsweise beim Altsteirer oder Leobner Anzug üblich ist, wird diese Falte mit eine Zierelement abgeschlossen. Dabei kann es sich um ein aufgenähtes Dreieck aus Besatztuch, einen V-Stepp, einen Knopf oder als besonders edle Variante um eine gestickte Schneiderfliege handeln. Dieser von Hand in Dreiecksform gestickte Faltenabschluss hat – bei genauem Hinsehen – eine gewisse Ähnlichkeit mit einer Fliege, weshalb diese Bezeichnung entstanden ist.

Schneiderfliege
(c) Ulrike Rauch

Sonntagstracht

Sonntagsdirndl

Bei den steirischen Frauentrachten wird zwischen Alltags-, Sonntags- und Festtracht unterschieden. Ebenso geläufig sind die Bezeichnungen Alltags-, Sonntags- und Festtagsdirndl. Das Charakteristikum der Sonntagstracht bildet die Kombination der Materialien Wolle und Seide. Leib und Schürze werden aus Seide gefertigt, der Rock aus Wolle. Wird ein durchgängiger Stoff für Leib und Kittel ausgewählt (Leibkittel), so besteht dieser aus Wolle. Die Aus­zier (Borten, Rüschen etc.) gibt dem Sonntagsdirndl sei­ne besondere Note und lässt den festlichen Aspekt der Kleidung in den Vordergrund rücken.

Sonntagstracht
(c) Jesse Streibl

Stresemannhose

Nach historischen Überlieferungen wurde diese gestreifte Langhose (bekannt unter dem Namen „Stresemannhose“) gerne zum Einfachen Leobner, Franz-Josef-Rock, Hammerherrenanzug, Grazer Steireranzug, Steirischen Stutzfrackerl sowie zu grünen Röcken getragen. Benannt ist die Hose nach dem langjährigen deutschen Außenminister Gustav Stresemann (1878-1929).

Stresemannhose
(c) Gemini Labs

Zierstepperei

Ziersteppereien kommen bei den steirischen Frauen- und Männertrachten zum Einsatz. Bei den Männertrachten sind die zwei am häufigsten verwendeten Symbole das Eichenlaub und das Ewigkeitszeichen. Ein Stehkragen, der nicht passepoiliert ist, bedarf immer einer Zierstepperei. Im Ausseerland sind aufwendige Ornamentsteppereien am Rock und Spangenleibl verbreitet und das Gamserl am Rücken des Altausseer Gamsröckls charakteristisch.

Bei Frauentrachten findet sich diese Art der Auszier bei einigen Modellen (z. B.  Deutschlandsberger Alltagstracht, Feldbacher Alltagstracht oder Hartberger Alltagstracht) am Leib.

 

 

Zierstepperei
(c) Ulrike Rauch